Historie

Die Geschichte unseres Erbgerichtes beginnt mit der Besiedlung des Dorfes Mildenau um 1170. Der Mildenauer Siedlertreck (ohne Reichenau) bestand aus 21 Bauernfamilien, die hier zur Urbannachung und Bewirtschaftung des Landes angesiedelt wurden. Gefüllt wurden sie von einem Locator, der wie die anderen 20 Bauern einen ganzen Hufenstreifen bekam. Die Mildenauer Hufen hatten eine Größe zwischen 36 und 45 Hektar, die des Locators hatte mit 39 Hektar eine mittlere Größe.

Wieso aber hatte sich der Locator, den man als ersten Erbrichter ansehen darf, eine eher bescheidene und noch dazu recht bergige Hufe ausgewählt?

  1. Im Gegensatz zu anderen Dörfern, wo der Locator vom Landeshen' mehrere Hufen bekam (z. B. Arnsfeld, Streckewalde, Neundorf), war der Mildenauer Locator entweder ein nonualer Bauer
    gewesen oder der Locator hat sich gar nicht hier angesiedelt.
  2. Die Gerichtshufe fülnt über eine markante Anhöhe, den Lärchenhübel. Von hier aus konnte man das ganze zu besiedelnde Tal einsehen, hier kötmte der erste Versammlungsort der Ur-Mildenauer gewesen sein und auch die Verteilung der Hufen hat möglicherweise von hier aus begOlmen. Die späteren Heegegerichte und Versammlungen der Mildenauer Bauern fanden auch auf dem Gut statt.
  3. Die Erhebung des Richterguts zu einem Freigut fand erst später statt. In Frage kommt hier mit großer Wahrscheinlichkeit die Eingliederung des Dorfes Reichenau und dessen Verlust der selbständigen niederen Gerichtsbarkeit (zwischen 1280 und 1430).

Das Wohngebäude muss recht groß gewesen sein, die wuchtigen Grundmauern des heutigen Erbgerichtes sind wahrscheinlich so alt wie Mildenau selbst. Sicher diente das Gut auch als wehrhafte und festungsartige Zufluchtstätte der Mildenauer Siedler bei Angriffen und Naturkatastrophen. Wahrscheinlich aus der frühen Zeit stammt ein von der Südwestecke des Hauptgebäudes ausgehender Fluchtgang in Richtung Südwest. Fluchtgang deshalb, weil er weder einem Erzgang folgt, noch der Wasserlösung von oberhalb befmdlichen Gruben gedient haben kann. Auch ein Wasserstolln zur Gewinnung von häuslichem Brunnenwasser kommt nicht in Betracht, da sich dieser an der Südseite der (heute abgerissenen) Südscheune befand. Bereits vor 1494 war das Richtergut ein sogenannter Erbkretschmar, zu dessen Privilegien gegenüber anderen Freigütern vor allem der Salzschank, Kornmarkt und die Niedere Jagd gehörte (Federwild, Hasen- und Fuchsjagd).

Außerdem war das Gut "nach alter Gewohnlleit von Fron und kleinem Zins befreit". Ausgestattet war das Erbgericht weiterhin mit Privilegien wie freiem Fischwasser, dem Brau- und Schankrecht. Die beidenletzteren standenjedoch bereits im 14. Jahrhundert mit den beiden Erbschänken in Konkurrenz und bedienten damit nicht die absolute Dominanz wie andernorts. Dem Erbrichter oblag die niedere Gerichtsbarkeit, das heißt, er konnte für kleinere Straffalle bis zu acht Tage Gefangnis und 4 neue Schock oder 10 Taler Geldstrafe auferlegen. Er musste dafür sorgen, dass die Untertanen treulich ilu'en Frondienst leisten und fülnte der Herrschaft zu den festgesetzten Zeiten die Abgaben und Steuern zu. Dabei oblag ihm als Mittelsmann zwischen dem Wolkensteiner Grundherren und den Dorfbewohnern eine eher undankbare Aufgabe.

Ein für unser Dorf sehr wichtiges Privileg, welches auf die Gründungszeit zurückgeht, ist die Mahlund Backgerechtigkeit. Die "Richter-Mühle" gehörte von Anfang an zum Erbgericht, sie ist wahrscheinlich die älteste Mühle unseres Dorfes. Obwohl die Mühlenbesitzer nit den Gerichtsbesitzern fast immer identisch sind, wurden seit 1565 überwiegend Pachtmüller mit der Mühle betraut. Später kamen die jeweiligen Edelhof-Besitzer zwischenzeitlich auch in Besitz anderer Mühlen und Häuser.

Ständig zum Gericht gehörten das Botenhaus, das Brauhaus und später ein Flachsbrechllaus.
Bis 1494 Johannes Tietze, genatmt „der alte Richter“, ∞ um 1470 ...

Am 5.4.1495 wird in Wiesa der Dittersdorfer Hammerschmied Carios wegen Mordes an dem Knaben Hans Tietze (Dietze), dem Sohn des alten Mildenauer Richters, festgenonnnen. Der Vater des Täters entrichtet zwölf Rhein. Gulden Gerichtskosten an den Amtmann von Wolkenstein, Caspar von Cospoth, dem späteren Lehngerichts-Besitzer zu Mildenan. In Wolkenstein ist über den Täter peinlich Gericht gehalten worden.

1494 – 1497 Caspar von Cospoth ( – Oktober 1500), Amtmann zu Wolkenstein, Besitzer des Lehngerichts (Kretschmars) in Mildenau. Er entstatmnte einer thüringischen Adelsfamilie.

1497 – um 1520 Symon Hanel, Erbleimrichter, ∞ vor 1490

Symon Hane! wird erstmals am 13.2.1498 als Mildenauer Richter genatmt. Er fungiert hierbei als Schlichter in einem Streit des Wiesaer Müllers mit den Brüdern Mattes und Michel Nestler aus Mildenau.

Um 1520 – 1525 Nikol Starcke, genarmt in einem undatierten Besitzstreit als Richter zu Mildenau.

Die Bauernunruhen im Mai 1525 machten auch vor Mildenau nicht Halt. Am 14. Mai hatten sich Mildenauer und Königswalder Bauern im Erbgericht versammelt, wo übel Forderungen und das weitere Vorgehen beraten wurde. Die Tumulte gipfelten in der Zusammenrottung der aufständischen Dörfer in Schönbrunn. Mildenau und Königswalde wurden als Hauptaufständische Dörfer erkamlt härter bestraft als die anderen umliegenden Dörfer.
Die beiden Königswalder Richter Thomas Rebentisch (Amtsseite) und Hans Schubert (Ratsseite) und der Mildenauer Richter Nicol Starcke galten nach Einschätzung des Wolkensteiner Amtmannes als "principal" des Aufruhrs im Amt. Sie wurden im Juni 1525 in Wolkenstein mit dem Schwert gerichtet. Als Mildenauer Rädelsführer galten weiterhin Johannes Büttner und Andreas Kürschner, auch sie wurden gerichtet. Von den Namen Starcke, Büttner und Kürschner und illren Fatnilien sind nach 1525 auch in den Mildenauer Kirchenbüchern keinerlei Spuren mehr zu finden.

Die Familie des alten Richters Symon Hanel aber blieb in Mildenau ansässig, sein Sohn Caspar Hanel war 1540 in Besitz einer Pochstelle mit Wasserlaufund Erzwäsche in Mildenau, der Enkel Melchior Hanel besaß ein Halbhufengut in Mildenau (Dorfstr. 60+62) und wurde 1577 sogar Erblehnrichter in Arnsfeld. Während der Pest von 1626 stirbt die Familie Hane! in Mildenau aus.

1525 – 1542 Fabel Roscher (um 1480-1542), vom Amtmann eingesetzter Erblehnrichter,
stammte nicht aus Mildenau, auch Besitzer des Pfarrwiedengutes Dorfstraße 74, ∞ um 1505

Fabel Roscher senior wird erstmals im oben genannten Dokument in einer Erbsache zu Wiesa am 28.6.1530 als Erblehnrichter genannt.

1542 – 1550 Fabian (Fabl Roscher (um 1515-1570), Erbleluuichter und Seiffwerk-Besitzer, ∞ 1541

Fabian Rascher jun. und seine Söhne waren u.a. im Mildenauer Bergbau aktiv mit mäßigem Erfolg. Die Herausbildung des Bergbauzenhums unterhalb der Kirche ist zum Großteil ein Verdienst dieser Familie.

1550 – 1554 Jacob (Fab) Rascher (um 1508 – nach 1562), Erblehnrichter, auch Besitzer einer
Mühle, danach Lehnrichter in Wiesa, ∞ 1531
Kinder: Nicol (* 1532) Pachtmüller in der Richtelmühle; Andreas (* 1535) 14-
Hufenbesitzer in Mild. u. Pachtmüller Richtenmühle; Ursula (* 1537);
Barbara (* 1539); Dorothea (* 1543); Magdalena (* 1545); Johannes
(* 1546) jung vers!.; Anna (* 1548); Christof (* 1549) jung verst.

Jacob Rascher hatte weniger Glück mit dem Gericht, bereits nach 4 Jalu'en als Richter gab er das Amt wieder ab, kaufte sich einen wüst gewordenen Garten und erwarb dort das Recht zum Betreiben einer Mühle (Dorfstraße 140 "Schneidmühle"). 1658 verzieht er nach Wiesa und wird dort Erblelnnrichter.

1551 hat das Gericht 415 volle Schocken, hier leben auch 1 Knecht, eine Magd und ein Hausgenosse.
1554 werden 490 volle Schocken genatmt, der neue Besitzer hat 3 Knechte und 3 Mägde.
1557 hat der Freihof 500 Schocken und 2 Knechte + 3 Mägde von einem silbemen Schock (60 gl)
Viehbestand 1562: 4 Pferde, 15 Kühe, 9 Geldrinder.
1562 wird das freie Richtergut auf 585 Schocken geschätzt.
Zum Vergleich ftir das Jahr 1562:
– Barthschänke 200 Schocken
– Schössergut 150 Schocken
– Halbhufengüter 40-70 Schocken
– Mühlen 15-150 Schocken
– Häusler 5-8 Schocken

1554 – 1578 Andreas Friedrich, aus Bockau stammend, Erblelmrichter und Besitzer des
Gartens mit Mühle Dorfstr. 140, ∞ vor 1554 in Bockau

Andreas Friedrich entstammte einer alteingesessenen Bockauer Erblehnrichter-Dynastie mit Glück im westerzgebirgischen Zinnbergbau. Seine Zeit in Mildenau war geprägt vom allgemeinen Erlöschen des Bergbaus, er hatte wenig Glück mit dem Erbgericht. Er erwarb die heutige "Hermerhilf-Mühle" mit dem damals dazugehörenden Viehweg von seinem Vorgänger. Die Richtergeschäfte übemahm ab 1568 der Gerichtsverwalter und spätere Besitzer des Hufengutes (Langer Weg 8 + 10 "Danellobffhommes") Georg Jahn. 1578 mußte Andreas Friedrich das Erbgericht und seine anderen Besitzungen hochverschuldet loslassen.

1578 – 1591 Nicol (Hß) Ötterich (um 1530 in Joachimsthal – 9.6.1602 in Marienberg),
genannt "Rätz", Schichtmeister, Berggeschworener und Gewerke,
auch Richter, Bürgelmeister und Bergamts-Austeiler in Marienberg,
weiterhin Erblelnnichter in Mildenau und später Amsfeld sowie
Besitzer einiger Güter und Häuser in Mildenau.
∞ I. vor 1553 Dorothea (PI) Schumann, aus Annaberg,
∞ II. 1561 in Marienberg Barbara (Gg) Schönherr, aus Marienberg,
∞ III. 1567 in Marienberg Dorothea (Pet) Helting, Apothekerstochter aus Marienberg,
∞ IV. 1591 in Marienberg, Judith (Wlf) Hans, Bergmeistertachter aus Marienberg.

Nicol Rätz entstammte einer reichen Handelsherren-Familie aus Nürnberg, welche als Großgewerken in den Silberbergbau von Atmaberg und St. Joachimsthal investielten und Glück damit hatten. Nicol und sein Bmder Hanß Rätz betrieben auch eine der ergiebigsten Mildenauer Silbergmben im Pöhlbachtal, welche von 1560-68 insgesamt 31 kg Silber erbrachte. Sein 1556 errichtetes Hausportal in Marienberg, Zschopauer Straße 20, ist noch heute erhalten.
Zum Lehngericht:
1586 Rechte im Lehnbrief: Haltung eines Lehnpferds und jährlich 60 Stück Forellen im Pöhlbach, Zahlung von 15 Groschen je Gebräude Bier (1 Gebräude = 94,3 Hektoliter) an den Wolkensteiner Amtmann, Anstellung eines Vice-Richters.
Bis 1590 erwarb Nicol Ötterich in Mildenau auch ein Haus an der Straße nach Marienberg, das
"Schössergut", ein wüstes Gut am linken Orts ausgang in Obennildenau, die heutige "Opitz-Mühle" im Oberdorfund ein Viertel-Hufengut (Königswalder Straße 4). Teilweise setzte er Pächter ein. Die Leimgerichtsgeschäfte übertmg er im Juni 1591 bis zur Volljährigkeit seines Solmes Barthel dem bisherigen Vicerichter Valten Quingstein.

1591 - 1597
1597 - 1642
Valten Quingstein, aus Atmaberg stammend, Steiger und Schichtmeister im
Dorotheenstolln, seit 1585 auch Besitzer des nahegelegenen Hauses
Atn Graben 13, 1586 Vicerichter, ab 1591-97 auch Lehm'ichter
00 vor 1580 in Atumberg ...
Barthel (Nic) Ötterich (1575 in Marienberg - September 1642 in Mildenau),
genalUlt "Retz", Erblehnrichter, auch Besitzer des Schössergutes und
einer Viertel-Hufe (Dorfstraße 28) und ScWchtmeister im Dorotheenstollen.
00 1597 in Marienberg Juliane Brandl, Bergmeister-Tochter aus Platten/
Böhmen.
Bedingt durch den 30-jährigen Krieg wurde das Erbgericht unter Barthel ,,Retz" totalminielt.
Bis zu seinem Tod im Jahre 1642 hatte sich ein Schuldenberg von 1127 Taler 3 Groschen allein an
Kammer- und Steuerkosten angesammelt.
Bereits in den Kriegsjahren ab 1639 war das Gebäude verlassen worden und verfiel zusehends, ab
1640 stand es fast wüst.
1640-1646
1646 - 1679
/ / / leer und fast wüst
Michael Thalmarm ( ... -1680), aus Atmaberg, Rittmeister in schwedischen
Diensten, Erblehm'ichter, auch Hausbesitzer
00 I. 1646 Dorotllea (Mart) Steinbach ( ... - 1662), aus?
Kinder: Maria (*1647)
Hanß Christian (* 1650) bekam die Niedere Schänke
Michael (1652-1669)
Martin (1653-1680) Erblelnn'ichter
Atma SopWa (*1655) 00 HUbner, !/i-Hufe Dorfstr. 186+188
Christiana Elisabeth (*1657) verzog von hier.
00 II. 1664 Elisabeth (Gabr) Drechsler ( ... -1720), aus Wolkenstein,
Kinder: Friedrich Gabriel (1665-1715) Rittmeister, verzog von hier
Adolf (1666-nach 1707), Feldscher, verzog später von hier
Atma Catharina (* 1668) 00 Weißbach, Mild. Dorfstraße 32
Gottlieb (1669-70)
Elisabeth (* 1671)
Theodora (* 1673) 00 Menzer, verzog aus Mildenau
JohalUla (*1675)
Agnetha (1677-1738) 00 Jegedecker, Besitzerin der Schänke
Am 17. Dezember 1646 kaufte Michael Thalmann, Rittmeister in schwedischen Diensten, das
Erblelmgericht für 3000 Rheinische Gulden.
Er übernalnn es "mit einem ganz wandelbaren Gebände olme einziges Inventarium Inhalt, ganz öde
und wüste".
1647 wurde das im Bau befindliche Hauptgebäude von einem arbeitendem Tischler unversehens in
Brand gesetzt, dass es bis auf die GlUndmauern niederbrannte, alle Vorräte und Akten vernichtete und
die Bewolmer nur mit dem Leben davonkamen. Bei dem Brand wurde auch das benachbarte
"Schlosser-Gut" eingeäschelt.
Aller Mittel beraubt, trat Michael Thalmannmit kurfürstlicher Einwilligung wieder in königlichschwedische
Dienste, um 1655 in den polnischen und 1657 in den dänischen Krieg zu ziehen.
Hierfür warb er hiesige Rekmten und bildete sie auf einem extra dafür angelegten Exerzierplatz (heute
Schulhof) aus. Der heutige "Mildenauer Schützenverein 1656 e.V." benutzt dieses Datum
(ungerechtfeltigt) als GIiindungsdatum.
Rittmeister Thalmann, der mit einer ganzen Kompanie ausgezogen war, kelme im Juni 1657 mit
einem einzigen Reiter nach Mildenau zurück.
Die nicht olme Blut erworbene kurfürstliche Abfindung (auxuriae belli) steckte er in den
Wiederaufbau des abgebrannten Gerichts.
1663 ist es auf altem GlUnd in der heutigen FOlID wieder aufgebaut, von den nunmehr 620 vollen
Schocken sind aber nur 200 Schocken gangbar.
Michael Thalma!m erreichte lnit Bitten beim Kurfürst die Anstellung eines Vicedchters und zweier
Gerichtsboten (Christof Siegel und ChristofPilz), dazu 50 Taler Steuererlass jäln·lich. Der angestellte
Vicedchter war Georg Sättler, sein ehemaliger Mitstreiter und Kriegsheimkelu'er (1616-1686).
Sein Haus an der Annaberg-Marienberger Straße baut er 1677 als "Niedere Schänke" in großzügiger
Form neu auf, und ninunt von seinem Brau- und Schankrecht Gebrauch. Im Erbgericht hatte sich
dieses weder zuvor noch danachjemals rentielt.
1679 - 1680 Martin (Mi) Thalmann (1653-1680 erschossen), Liutenant,
00 1680 Maria ...
Der neu eingesetzte Lehngerichtserbe Martin Thalmann wurde 1680 in WiesenthaI von einem
Feldwebel wäln'end des Aufsitzens, da er fortreiten wollte, unversehens erschossen, nachzulesen in der
Erzgebirgschronik des Christian Lelunann, S. 778.
Michael Thahnann' s Witwe übernalun neben dem Vicerichter kurzzeitig die Richter-Geschäfte.
Seine Sölme schlugen allesamt eine militärische Laufbahn ein und wurden nicht sehr alt.
1680 - 1682
1682 - 1726
Thalma!m' s Witwe und Georg Sättler
Johann Friedrich (Hß Hein) von Elterlein (26.6.1656 in Breitenhof - 1726 in
Mildenau), Berg- und Hannnerherr, Hammerinspektor des
Erzgebirges und Hall1lllerherr in Weißenstadt bei Bayreuth,
00 I. 17.9.1678 in? MariaChristianeFaber,
00 II. 1703 in Mild. Anna Catharina (verw. Weißbach) Thahnann (1668- ... ),
von hier bzw. Dorfstr. 32 gen. 1682,1689,1695,1724,1725
Am 15.4.1689 konnnt von Elterlein lnit der Bitte um Einbehaltung der vom Vorgänger Thalmann
elworbenen Privilegien ein, dem wird auch stattgegeben.
Johann Friedrich von Elterlein erwarb auch den wüsten Viehweg (Dreihäusergasse) und das Haus
Dorfstraße 32 von seiner zweiten Frau.
Er kurbelte vor allem auch die erloschene Bergbautätigkeit wieder an. Die alte Connnun-Zeche auf
seinem GlUnd und Boden am Richterberg wurde wieder angefangen. Das für den Betrieb nötige
Aufschlagwasser lieferte seit alters her die "Pfütze". Dieser aufstaubare Bergwerksteich wurde später
als "Richterteich" bzw. "Freibad Mildenau" noch richtig belühmt.
Bis 1705 wurde am Lärchenhübel nach Kupferkies geschürft, dann aber wegen Wasser und schlechter
Wetter wieder aufgegeben.
Die Kaue auf der großen Halde wurde abgerissen und darauf ein neu es, zum Erbgericht gehörendes
Flachsbrechhaus gebaut.
Ab 1710 setzt Johaml Friedrich von Elterlein seinen Schwiegersolm, den Fähmich Michael Kürschner,
als Gerichtspächter ein. Michael Kürsclmer (1671-1736), aus ?
1726 -1756
00 1708 Maria Magdalena (J Fr) von Elterlein (5.12.1685-1724), von hier.
Johatm Michael (Cf) Kreißig (27.8.1698-12.1.1756), aus Annaberg,
Erble1mrichter und Besitzer des wüsten Viehweg-Gutes,
00 18.8.1722 in Annaberg Anna Magdalena (And Wilh) Stock (27.8.1701-
18.11.1774), aus Annaberg. gen. 1726, 1734, 1737, 1742, 1746
J.M.Kreißig entstanUllte einer Atmaberger Bürger- und Bortenhandels-Familie und der Buchholzer
Bürgelmeister-Dynastie Creutzburg. Die Vorfahren seiner Frau entstammen u.a. der schottischen
Adelsfamilie von Lindesay und damit fast allen hochmittelalterlichen Königshäusern Europas! Bis
heute leben etwa 150 Nachkormnen Kreißigs in Mildenau.
1734 verweigert Johann Michael Kreißig rur seine Besitzungen eine Landsteuer-Quartalszahlung von
21 Talern, abgelehnt am 1.12.1734.
Ab dem 7.7. bis zum 10.11. des Jalu'es 1742 war hier die KOllllllandostelle des Maffey'schen
Cürassier-Regimentes während ihrer Postierung in Mildenau. Der Kommandant war hier einquartiert,
darur hatte der Besitzer Kreißig 12 Thaler 6 Groschen Soldatengeld als Ausgleich erhalten.
Zugvieh-Bestand 1746: 4 Pferde, die auch rur Milizfuhren zur Verrugung stehen müssen.
1756 - 1792 Johann Andreas (J Mi) Kreißig (30.5.1723 in Annaberg-IO.l2.1792 in Mildenau),
Erbleimrichter,
00 3.7.1759 Johanna Charlotta (J Cn) Weiser, Bürgenneistertochter aus
Buchholz.
Johatm Atldreas Kreißig's weitere Besitzungen: 1756 erbaute er das Gemeinde-Atmenhaus unterhalb
der Barthschänke, 1771 kauft er das "Schiefer-Gut" und 1782 das "Sc1meiderhäusel", beide im
Oberdorf .
Am 10.10.1796 übernalUll Daniel Schiefer das Erblehngericht als Vormund des noch UlUllündigen
Erben Friedrich Leberecht Kreißig.
Als sein Verdienst wird die Anschaffung der ersten Mildenauer Feuerspritze 1798 und der damit
verbundene Bau der beiden Spritzenhäuser OLN 63 und OLN 137 angesehen.
Daniel Schiefer' s weitere Besitzungen: ab 1785 die V,-Hufe Dorfstraße 230/232 "Schiefer-Gut", ab
1800 die ganze Hufe mit Erbschänke ("Hess") und ab 1810 Pächter des Rittergutes Großlückerswalde.
Das Grabmal seiner Familiengrnft ist bis heute als Denkmal auf dem Alten Mildenauer Friedhof
erhalten und wird von den Nachkollllllen gepflegt.
1796 - 1803
1803 - 1810
1810 - 1812
1812 - 1815
Daniel (Cf) Schiefer (21.1 0.1751-1823), von Dorfstr. 154 "Samelhans-Gut",
Gerichts- u. Rittergutspächter in Mildenau und Großrückerswalde,
Erbbegüterter Bauer und Erbschenk Dorfstl'. 82,
00 8.7.1782 Johanna Dorothea (J Mi) Schreitel' (1758-21.4.1805), aus
Streckewalde. genannt 1796, 1798, 1800, 1803
Friedrich Leberecht (J And) Kreißig (27.3.1778- ... ), Erblehm'ichter und
Gutsbesitzer in Görbersdorfbei Oederan,
00 19.8.1803 Johanne Christliebe (J Gilf) Meyer (1784-27.11.1815), von
Dorfstr. 30 "Schlosser-Gut".
ChristofHeinrich Böhme, Erblehnrichter.
Carl Gottlieb Flemming, Erbleimrichter, auch Schichtmeister im Markus Röhling
in Atmaberg.
Am 21.8.1815 kauft der Major Gustav Adolfvon Baumann das Lehngericht, und setzt umgehend
einen Johann Carl Meyer als Gerichtsverwalter ein.
Ab 1818 nimmt er selbst hier in Mildenau die Richtergeschäfte walu·.
1816 - 1818 Johann Carl Meyer, Gerichtsverwalter und -pächter.
21.8.1815 - 1824 Gustav Adolfvon Baumann, Major und HelT aufSchloss Rabenau bei Dresden,
in Mildenau Erblehnrichter. genannt 1815, 1824
1824 - 1827 Theodore Amalie verw. von Baumann. genannt 1825
1827 - 1835 Anton Buchheim, Erbleimrichter. genannt 1834
Die ab 1763 vom sächsischen Kurprinz Xaver in einer Handvoll Dörfem (u.a. Mildenau) geförderte
Zucht von spanischen Merinoschafen war anfangs eher auf die Erbschänken beschränkt. Erst Richter
Voidel setzte ab 1835 auch im Gericht aufSchafzucht. Der Name Schafweg weist bis heute daraufhin.
Viehbestand 1834: 5 Pferde, 19 Rinder, 6 Schweine, 2 Ziegen,
1837: 5 Pferde, 18 Rinder (davon 4 Ochsen), 100 Schafe, I Schwein, 2 Ziegen.
1835 - 1853 Clu'istofEmst Voidel ( ... -1853), aus Cranzahl, Erblehnrichter und Hausbesitzer
Dorfstr. 32 "Groschopp-Haus" und Dorfstr. 44 "Jäckel-Haus".
<Xl Wilhelmine Henriette verw. Uhlig
genam1l1834, 1837-39, 1845, 1850
Seit einiger Zeit hatten die Erblehnrichter an Bedeutung verloren.
Die Zeit des Fortschritts und der Industrialisierung hatte die meisten der alten Pflichten und
Privilegien gegenstandslos gemacht.
Unter dem letzten Mildenauer Erblehnrichter Christof Emst Voidel vollzog sich 1838 die Ablösung
der alten grundhelTlich-bäuerlichen Ordnung zur bürgerlich-städtischen Ordnung.
Ab Februar 1839 trat an die Stelle des Erbrichters der Gemeinderat, zum ersten Gemeindevorstand
wurde der Besitzer des ,,Danellob-Gutes" Carl Traugott Nestler gewählt.
Die zum Gericht gehörende Mahlmühle blieb zunächst noch eine Pachtmühle.
Die Gerichtsschänke an der Annaberger Straße, welche an Bedeutung gewaml und dafiir sorgte, dass
unser Erbgericht nicht wie andemorts zum ortsbestimmenden Gasthof wurde, war nun eigenständiger
Gasthof.
Das Flachsbrechhaus auf dem Lärchenhübel wurde 1845 abgerissen.
1856 ist auch das alte Fischhaus am Pöhlbach abgetragen worden.
1853 - 1858
1858 - 1867
Carl Wilhelm (CfEm) Voidel ( ... -1858), Erbbewohner und Bauer, zuvor
Häusler Dorfstr. 32,
<Xl 1838 Bertha Selma (Tr Sieg) Vogel ( ... -1867), von
Dorfstr. 67 "Weigelt-Gut". genannt 1853, 1856
Wilhelmine Henriette verw. Voidel. genannt 1862, 1867
1862 werden genannt: ein Wohngebäude mit eingebautem Kuh- und Pferdestall, Backofen und
gewölbtem Gang und Unterkellerung, eine unterkellerte Scheune mit Pfostentenne, ein Stallgebäude, 2
angebaute Schuppen, ein unterkellertes Brauhaus mit Gewölbe, ein Maischbottich.
Es werden 12275 Thaler versicherte Gebäude und Inventar angegeben.
1867 - 1891 Carl Friedrich Schneider, Erbbesitzer und Bauer, aus?
<Xl 1860 Wilhelmine Antonie (CI Wilh) Voidel ( ... -1903), von hier.
genannt 1871,1878,1885
Im Jahre 1877 trat hier Doktor Hugo Josionek seinen segensreichen Dienst als Arzt an, nachdem vor
längerer Zeit ein Doktor Hertel in Mildenau gewirkt hatte.
Hier lebten 1885 die Familien Friedrich Schneider (Besitzei), earl Sclmeider, Oskar Voidel, eine
Marie PHi der sowie die Magd Marie Müller und der Knecht Oswald Gester.
1879 erfolgte auf ehemaligem Gerichtsgrundstück die Grundsteinlegung ftir den Bau der Grundschule.
1898 erfolgte hier ein weiterer Gnmdstückskauf durch Eduard Louis Mauersberger, der das Haus
Dorfstr. 38 errichtete.
Am 21.10.1907 erwarb der Kommerzienrat Arthur Sclunidt aus Berlin und Rittergutsbesitzer auf
Streckewalde das Erbgericht einschließlich Inventar ftir 60 000 Mark.
Er nutzte es als Teilbetrieb des Rittergutes "Hohenwendel" und als Gestüt und hatte große Pläne
damit, welche der Krieg aber zunichte machte.
1909 war das Gerichtsgut 34,47 ha groß, davon waren 0,83 ha Wald.
Gutsverwalter war zu dieser Zeit ein Max Bilz.
Am 23.1.1924 brmmte das Brauhaus (Ostseite des großen Vierseithofes) vollständig ab.
Hier entstand 1926/27 die Gärtnerei mit dem ersten Besitzer Hans Metzsch.
Von 1927 bis 1945 war das Land Sachsen Pächter des Gutes, zuletzt unternahm hier die
Versuchsanstalt Pillnitz Sorten- und Düngungsversuche.
Besitzer in den 20er Jahren war Dr. Otto Wagner auf Schloss "Hohenwendel".
Als Verwalter des Erbgerichts wird 1932 ein Ludwig Endler genannt, weiterhin waren hier wohnhaft:
Max und Ema Bilz, sowie Willy Nobis und Arno Schaarsclunidt lnit Familien.
Am 19.5.1933 wurde die Genelunigung zum Bau von 14 Siedlungshäusern a 600 qm zuje 5000 Mark
elieilt.
Am 16.8.1939 wurde im Gericht ein Reichsarbeitsdienst-Lager ftir weibliche Jugend eingerichtet.
In der Bombennacht vom 14. zum 15.2.1945 brannte hier eine Scheune ab.
Bis nach Kriegsende 1945 war Kurt Singer aus Arnsfeld hier Guts-Besitzer, er wurde im Zuge der
BodenrefOlTIl enteignet und wurde später Bauer in Arnsfeld.
1946 wolulten hier Otto und Linda Steinert geb. Meichsner aus Oelsnitz bzw. Großröda mit den
Kindern Brigitte, Barbara und JÖrg.
Mit der Bodenreform wurde 1947 das Land aufgeteilt, es entstanden 4 neue Bauernhöfe, die sich 1953
zu einer LPG zusammenschlossen.
Die vier Neubauem waren Arno Bergelt,
Albert Schuster, beide wohnhaft in den ehemaligen Witischaftsgebäuden
Des Gerichts, heute den Familien Binner und Schmiedehen gehörend,
Rudi Hiemann, Neubau des Gutes Westsiedlung 20, und
Albin Seifert, Neubau des Gutes Westsiedlung 10.
Das Gerichtsgebäudejedoch wurde zu einem Volkshaus erklärt, und ab Mai 1950 zu einem Heim ftir
schwererziehbare Kinder ausgebaut.
In den unteren Räumen entstand 1949 das erste Landambulatorium des Landkreises.
Heiko Melzer, Mildenau
im Juni 2015